Zum Jahreswechsel präsentiert die aff Galerie eine Gruppenausstellung zum Thema "Versunken", in der sich sechs Mitglieder des atelier freier fotografen der Thematik mit ganz unterschiedlichen Ideen und Blickwinkeln widmen.
Mit der Serie "Einkehr" hat der Berliner Fotograf Constantin Köster einen kurzen zeitlichen Ausschnitt aus einer Situation in einem Museum eingefangen. Eine Besucherin sitzt versunken am Rand der runden Eingangshalle und um sie herum entfaltet sich das Geschehen der anderen Museumsbesucher. Die Sitzende wirkt einsam und entrückt, ist aber doch Teil des Ganzen. Die Empfindungen in der Kunst scheinen in ihr zusammenzufließen. Die anderen Museumsbesucher machen sich dagegen auf den Weg, die Kunstwerke erst noch zu erfahren. Dadurch kann die Serie auch als Metapher fur die Spannung zwischen Versenkung und Aufbruch in der Kunst betrachtet werden.
Franca Wohlts Polaroids entstanden in der Wohnung eines demenzkranken Familienmitgliedes. Sie konzentrierte sich dort auf einzelne Details, die Spuren des Vergessens und der Gleichgültigkeit tragen. Die entstandenen Momentaufnahmen spiegeln Einsamkeit und Orientierungslosigkeit wider, welche fur die Künstlerin beim Betrachten der Wohnräume spürbar wurde.
Kathrin Tschirner hat in ihrer Arbeit "Schlaf" ein verlassenes Dorf in Bulgarien aufgespürt, das nur schwer zugänglich ist und den Anschein erweckt, schon seit Jahrzehnten versunken in der Zeit zu existieren. Auch wenn die Todesanzeigen an den Türen Aufschluss uber das Ableben der letzten Besitzer geben, hat man das Gefühl, in einen privaten Raum einzudringen. Die Häuser und die Einrichtung umgibt die Aura des Schlafes, so als ob der Raum nur auf die Rückkehr seiner Bewohner wartet. Jedoch die Natur hat sich die Räume wieder einverleibt und verbindet sich nach und nach mit den Alltagsgegenständen. Kathrin Tschirner lebt in Berlin und absolviert ihren Master an der HAW Hamburg.
Oliver Jacob nähert sich dem Thema "Versunken" im weitesten Sinne. Menschen, Kulturen oder Dinge versinken in Gedanken, in Vergessenheit oder im Sand auf dem Grund des Meeres. Versinken bedeutet somit auch einen Übergang von einem in einen anderen, meist entgegengesetzten Zustand. Die kleine Serie von Jacob zeigt drei Bilder: ein Bett, kurz vor der nächtlichen Ruhe, ein Tunnel, der uns vom Tageslicht in die Dunkelheit führt und eine nächtliche Szene einer tagsüber belebten Marktstrase. Ein grüner Farbton, entstanden durch künstliches Licht, bildet den äußeren Rahmen der Serie.
Der Berliner Fotograf Thomas Graichen zeigt eine Vorschau seines Projektes "Die stille Stadt", das in naher Zukunft zusammen mit Kurzgeschichten von Ann-Christin Kumm in Buchform erscheinen wird. Dabei bilden die Fotografien einer im Schnee versunkenen Stadt die Kulisse, in der die Erzählungen handeln. Die schwarzweißen Bilder sind bestimmt von Weite, Leere und der Kälte des Berliner Winters, betören aber gleichzeitig auch mit der Schönheit und Ruhe des alles überdeckenden Schnees.
Die Fotografin Wenke Seemann zeigt mit ihrer Arbeit "Loseblattsammlung" den Versuch Wegmarken zu finden. Manches war wichtig an diesen Tagen, manches schön, manches quälend. Wiederbetrachtet sind die flüchtigen Bruchstücke zu Erinnerungen geworden. Zu Gedanken, die nun seltsam peinlich erscheinen. Zu Schmerzen, die sich neuerdings ertragen lassen. Die Blume, die ihre Schönheit unterwegs nicht eingebüßt hat. Einige Blätter wollen überschrieben werden, andere sind klüger als ihr Autor.
Foto: (c) Franca Wohlt aus der Serie "Polaroids"